Kränkungen der Menschheit
Man spricht von den drei größten Kränkungen der Menschheit:
- Die Entdeckung, dass sich nicht alle Planeten, Sonnen usw. um die Erde drehen, sondern die Erde dreht sich um die Sonne (Kopernikus).
- Dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist, sondern von einem Affen ähnlichen Vorfahren abstammt (Darwin).
- Dass der Mensch nicht nur ein Verstandesmensch ist, sondern auch vom Unterbewussten gesteuert wird (Freud).
- Ich würde noch eine 4. Kränkung hinzufügen: Gott. Gott, der jüdisch-christliche Gott, wirft den Menschen von seinem Thron - und dass mag er überhaupt nicht. Sonst kann man sich gar nicht vorstellen
a) dass der Mensch Gott immer nach seinem Bild, seiner Vorstellung gestalten will (Götterglaube, Religionen),
b) dass man auch in der Kirche ständig gegen ihn ankämpf (Papst Johannes XXIII soll zu einem Kommunistenführer sinngemäß gesagt haben: Wir haben die Kirche in fast 2000 Jahren nicht zerstören können - so werdet ihr es auch nicht schaffen)
c) dass seit den letzten 300 Jahren eine vermehrte vehemente bewusste Ablehnung Gottes stattfindet.
Christliche Feste + deren Verballhornungen
Weihnachten - Gott schenkt sich dem Menschen, der Mensch schenkt sich Gott. Das Fest wurde für so manchen zu einer Futter- und Geschenkeorgie.
Karfreitag - stilles Denken an Jesu Sterben für uns, damit wir leben können. Das Fest wurde für so manchen als Tag zum Kampf für das Recht auf ununterbrochenen Lärm und Trubel.
Ostern - Tag des Lebens, der Auferstehung, des Sieges über den Tod. Das Fest wurde für so manchen zu einem Ostereiersuch und -kickfest.
Himmelfahrt - das Fest, an dem Glaubenden Mut gemacht wird, angesichts all des Chaos zu sehen: Es wird von Gott regiert. Das fest wurde für so manchem zu einem Sauf- und Kotzfest.
Pfingsten - das Fest, an dem die Glaubenden fröhlich, mutig, mit Wort und Tat den Glauben bekennen, wurde für manchen Pfingstochsen zu einem reinen Frühlingswandertag.
Warum? Der Mensch will sich dem Glauben entfremden und soll dem Glauben entfremdet werden. Warum? “Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub durchs Fenster. Wenn die Gottheit ihr verjagt, kommen die Gespenster.” (Ich habe diese Version nach Emanuel Geibel gewählt.) Der Mensch liebt seine Angstgespenster mehr als den, der sie ihm austreiben will. Warum? Das weiß ich auch nicht. Ich ahne nur: Je ernster wir diese Feiertage nehmen, desto ernster wird der Mensch genommen. Wer diese Feiertage zum Larifari erniedrigt, wird zum Spielball anderer Mächte und Kräfte. Wie dem auch sei: Ich wünsche Euch an diesen Festen schöne Tage mit Familie und Freunden, mit einem guten Buch vor Augen und guter Musik im Ohr, einen Tag der Liebe zu Gott, zum anderen, zu sich selbst.
Pfingsten - Geburtstag
Pfingsten! Geburtstag der Kirche! Wir feiern nicht üppig – aber in der ganzen Welt freuen sich Christen darüber, dass Gott durch den Heiligen Geist in ihnen wohnt. Er gibt Mut, er gibt Freude, er gibt Kraft, im Geist Jesu zu handeln, zu sprechen. Der Geist Gottes in uns schenkt Hoffnung in aller Hoffnungslosigkeit, er schenkt Glauben im Zweifel, er richtet auf in Niedergeschlagenheit, er bringt die Kultur des Lebens in allem Sterben. Verfolgte lassen sich nicht unterkriegen, am Boden Liegende lassen sich nicht besiegen, Verspottete wissen: Jesus Christus ist Sieger. Das Herz freut sich, der Verstand hüpft, die Seele singt.
Himmelfahrt
Was ist Himmelfahrt - Christi Himmelfahrt? Es bedeutet die Erhöhung Jesu Christi, die in Macht-Setzung Jesu Christi. Sie ist laut Überlieferungen des Neuen Testaments nicht unbedingt mit der Schilderung der Apostelgeschichte verbunden, die heute die Vorstellungen prägt: Jesus wurde vor den Augen der Jünger in den Himmel emporgehoben. Damit ist bildhaft das formuliert, was Christen bekennen: Jesus Christus lebt und herrscht als dreieiniger Gott mit Gott-Vater und Gott-Heiliger Geist. Wesentlich für Christen ist dieser Tag, weil sie auch an das denken, was im Matthäusevangelium geschrieben steht: Jesus spricht: Ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Jesus Christus in Macht bedeutet: Die Weltgeschichte hat einen Inhalt - trotz und gegen alle Grausamkeiten und trotz und gegen allen Widersinn: Im Geist und der Gegenwart Jesu die Liebe weiter zu geben. Die Weltgeschichte hat ein Ziel: Nicht das kalte, gottlose, grausame Ende, das Sterben der Erde und der Welt, sondern: Am Ende der Welt steht der liebende und in seiner Liebe bergende Gott. Himmelfahrt ist also ein Mutmachtag gegen alle Resignation angesichts politischer, gesellschaftlicher Dummheiten, Missständen und Katastrophen.
Glaube in Deutschland: 2011
56% glauben in Deutschland an einen Gott - 38% nicht. In Westdeutschland glauben 67% im Osten 25%. Die kommunistische Indoktrination hat also eine gewisse Langzeitwirkung. 66% der Frauen glauben an Gott und 49% der Männer. 91% der Westdeutschen halten christliche Werte für sehr wichtig bzw. wichtig.
Zu dem Ergebnis, dass mehr Frauen glauben, noch folgender Hinweis. Einer soll sich gegenüber Johannes XXIII. despektierlich darüber geäußert haben, dass hauptsächlich Frauen in der Kirche zu finden sind - und nicht Männer. Der Papst soll sinngemäß geantwortet haben: Darum sitzen auch viel viel mehr Männer im Gefängnis.
Christlicher Glaube durchdringt Gesellschaft
Christliche Religion ist nicht reduzierbar auf Logik, nicht auf Moral, nicht auf Kunst… - sie greift die kulturellen Errungenschaften der Völker auf, in der sie Fuß fasst und versucht sie auf eine höhere Ebene zu bringen, versucht, sie an Gott, die Transzendenz anzubinden. Christliche Religion ist natürlich auf Logik aus - schließlich hat sie großartige Denker hervorgebracht auf denen gegenwärtige Denker noch basieren; sie ist natürlich auf die Beeinflussung der Moral aus - christliche Moral hat die Menschheit - allein durch das in den Evangelien geäußerte Ideal eines Menschen - auf eine Stufe gebracht, die vorher so nicht erklommen worden ist; natürlich ist Religion auf Kunst aus: Bilder, Gedichte und andere Texte, Musik hat sie intensivst mit beeinflusst. Aber sie ist mehr. Der Mensch, der logisch denkt, moralisch und künstlerisch handelt, zieht das Vorhandene immer höher, lässt den Menschen nie ausruhen, weil er von der Schöpfermacht gefordert wird, weil er eine andere Weltsicht hat, eine, die sich nicht am realen erniedrigten und sich erniedrigenden Menschen genügt, sondern von der Zukunftsmacht in die Zukunft gezogen weiß. Nicht allein in die Zukunft gezogen weiß, sondern auch in der Gegenwart trotz aller Rückschläge, allen Versagens, allen Sterbens von der liebenden Macht getragen weiß. Diese Macht nennen wir Gott. Gott, den Jesus Christus Vater nennt, den wir Vater nennen dürfen. Es handelt sich also um eine ansprechbare Macht, eine Macht mit Willen, eine kommunikative Macht. Nicht einfach um eine Lebens- oder Weltenergie.
Christliches Geschwurbel
Eine philosophisch denkende Frau sagte mir einmal: Immer die Theologen mit ihrem Geschwurbel. Manche Texte schwurbeln ohne Ende - keine Frage.
Die Sprache, mit denen über Götter gesprochen wurde, war die Sprache des Gebets: Hymnen, Klage, Opfertexte. Hinzu kam die Gattung der Mythen, der Welterklärungen, der Göttergeschichten. Dann: Vor allem die jüdische Tradition sprach von Gott in seinem geschichtlichen Handeln: Gott befreite, Gott begleitete, Gott wird begleiten. Die theologische Sprache war erfahrungsbezogen, Geschichte ging unmittelbar an: Wer sich nicht gottgemäß verhält, der muss geschichtliches Leiden ertragen: Hunger, Krieg…. Dann kamen die Philosophen in die Theologie. Götter wurden verbunden mit Ideen. Ideen, die wahrer sind als die Realität, die hinter der Realität stehen. Gedankenwelten wurden immer größer und setzten sich vor die Realität. Gott wurde in diese Gedankenwelten eingewoben. Freilich: Die Sprache blieb an Hymnen, Mythen, Geschichte rückgekoppelt. Dann kamen die “Realisten”. Gedankenwelten zählen nicht, es zählt das, was ich sehe, spüre, höre - ach, so: auch denke. Ich denke Gott nicht, sehe, spüre, höre ihn nicht. Also gibts ihn nicht. Und nun versuchen Theologen ihn sichtbar, hörbar, spürbar, denkbar zu machen. Dabei können sie auf die Sprache der Hymnen, Mythen, Geschichte nicht verzichten.
Denn wie möchte man Gott zur Sprache bringen? Wie möchte man Erfahrungen zur Sprache bringen, wenn nicht unter Aufnahme der Sprache, die in den Jahrtausenden zuvor für die göttliche Welt entwickelt wurde? Und was dann dabei herauskommt ist für Menschen, die an ihrer eigenen zeitgemäßen Welt kleben, eben Geschwurbel. Theologisches Reden ist im Grunde stottern, Suchen nach passenden, zeitgemäßen Worten. Selbst philosophisch Geschulte verstehen das nicht immer - manchmal auch darum, weil sie die Schriften der Philosophen nicht lesen, sondern nur handliche und verständliche Zusammenfassungen.
Apropos: Philosophen und Theologen haben da etwas gemeinsam: Demjenigen, der nicht in diesen geschult ist, versteht auch unter philosophischem Reden nur Geschwurbel.
Glaube und Heiliges
Das merkt man schon, dass Heiliges bei vielen Menschen keine Rolle spielt - oder doch? Sie gehen gegen Heiliges, Erhabenes an, weil sie nicht gelernt haben, damit umzugehen. Diese Gefühle sind ihnen fremd, darum bekämpfen sie dasjenige und diejenigen, die ihnen solche “eigenartigen” Gefühle machen.
In einem ganz anderen Rahmen ist mir das einmal deutlich geworden. In einem Kindergottesdienst war ich ich, ganz normal gekleidet usw. Kinder gingen ganz normal mit mir um. Dann sollte ich einen König spielen. Ich zog ein weißes Laken über, eine Krone auf den Kopf - und begegnete dann den Kindern. Erst waren sie ein wenig scheu. Dann wurde eines aggressiv - und viele der Kinder legten eine verbale Aggressivität an den Tag, das mich sehr nachdenklich gemacht hat. Diese verbale Aggressivität, die sich auf ihren Körper übertrug, kannte ich von einem Film her, der zeigte, wie Affen gegen eine Schlange kämpfen. So in etwa waren die Kids. Es war ihnen nicht geheuer - und weil es ihnen nicht geheuer war, wussten sie sich nicht anders gegen das Gefühl zu wehren, als mit einer bestimmten Aggressivität. Entsprechend beobachtete ich das häufig: Diese aggressive Scheu gegen Heiliges, etwas, das nicht vulgär, entsakralisiert ist, scheint - so interpretiere ich es - als ein Versuch, mit einem unbekannten Gefühl umzugehen. Wie das Gelächter, wenn alles still ist, mucksmäuschenstill. Irgendeiner hält es nicht aus und fängt an, irgendetwas Albernes zu sagen - und es entlädt sich ein nicht schönes Gelächter.
Der Mensch verarmt, was diese Gefühlslage betrifft. Weil es ihnen nicht mehr vermittelt wird. Kein Gebet - kein Gefühl für das Transzendente. Abendmahl - Anwesenheit Jesu Christi - wird profanisiert: Wird zu Essen und Trinken und menschliche Gemeinschaft. Bibel - ein Buch, das man einfach so in den Papierkorb schmeißen kann, wenn sie billig war. Leben in Wahrheit und Tugend - wird lächerlich gemacht und erniedrigt. Leben in Reinheit - versteht einer überhaupt noch diesen Begriff, geschweige denn das, was er aussagt? Begegnung mit dem Wunderbaren, dem Wunder - das wird heruntergezogen: Gibts nicht, Zufall, ich bins Wert. Man sage nicht, das habe keine Auswirkung auf die Gesellschaft. Dem Menschen wird die Würde genommen, wenn das Heilige keinen Raum mehr hat.
Glaube und Sünde
Neulich hatte ich im Blog erwähnt, dass ein Pfarrer eine Frau in der Kirche missbraucht hat. Die Gemeinde meinte, wie ich las, dass sich der Pfarrer auch in Predigten als Sünder angesehen habe, der von der Gnade Gottes abhängig sei. (So ähnlich gelesen.) Grundsätzlich dazu: Wir Menschen, auch wir Christen, sündigen. Nur macht es einen Unterschied, ob wir mit unserer Sünde kokettieren, auf unsere Unvollkommenheit schauen - oder ob wir auf das Wesentliche schauen: Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist (Jesus), ob wir auf unsere Entfremdung schauen oder auf unsere Heilung. Jesus ist nicht so naiv, zu sehen, dass der Mensch als sein Nachfolger wirklich vollkommen ist - aber er treibt ihn an, sich im Licht seines Ideals zu sehen und sich dadurch diesem anzugleichen und nicht, sich selbst immer in der Dämmerung der Sünde zu betrachten.